
Arbeiten und Leben in Frankreich
Die Arbeitslosenquote von fast zehn Prozent ist nach wie vor ein Sorgenkind der französischen Wirtschaft. Dennoch bist Du gerne gesehen, wenn Du in Frankreich arbeiten willst und über fundiertes Fachwissen verfügst. Insbesondere im Bereich IT, Hotellerie und im Tourismus stehen die Chancen auf einen Arbeitsplatz gut. Schweizer, die in Frankreich arbeiten wollen, können sich auch selbständig machen. Voraussetzung ist lediglich eine Eintragung in das jeweilige Berufsverzeichnis.
Arbeiten in Frankreich: Zeitarbeitsfirmen
Wer nicht sofort eine Festanstellung findet, dem bieten Zeitarbeitsfirmen („Entreprises de travail temporaire“) einen schnelleren Einstieg in die französische Berufswelt. Manchmal kommt es vor, dass die Unternehmen die Arbeitnehmer nach einiger Zeit abwerben und fest einstellen. Weitere Anlaufstellen vor Ort sind Arbeitsagenturen wie ANPE oder APEC.
Ohne in Frankreich zu arbeiten, dürfen sich Schweizer dort maximal sechs Monate aufhalten. Daher ist es von Vorteil, sich schon vor dem Umzug nach einer Anstellung umzusehen. Wenn Du in Frankreich arbeiten willst, benötigst Du zunächst eine erfolgreiche Bewerbung. Auf welche Besonderheiten in Frankreich Wert gelegt wird, liest Du unter Bewerben in Frankreich.
Als Au-Pair arbeiten
Wer nur eine begrenzte Zeit in Frankreich arbeiten möchte und gerne mit Kindern zusammenarbeitet, für den ist ein Aufenthalt als Au-Pair optimal. Jugendliche im Alter von 18-27 Jahren können bei einer Familie kostenlos wohnen, erhalten Verpflegung und ein angemessenes Taschengeld von umgerechnet rund 100 Franken in der Woche. Im Gegenzug helfen sie etwa fünf bis sechs Stunden pro Tag im Haushalt und bei der Kinderbetreuung mit. Ein bis zwei Tage die Woche sind üblicherweise frei. So besteht sogar die Möglichkeit, in Frankreich zu arbeiten und nebenbei zu studieren. Ein Aufenthalt als Au-Pair ist jedoch auf zwei Jahre begrenzt.
Arbeitsbedingungen
Die wöchentliche Arbeitszeit in Frankreich beträgt 35 Stunden und darf 48 Stunden nicht überschreiten. Die tägliche Arbeitszeit beträgt maximal zehn Stunden. In Frankreich gibt es einen dynamischen Mindestlohn (Salaire minimum interprofessionnel de croissance, kurz SMIC). Er liegt bei einem Bruttoverdienst von umgerechnet rund 11 Franken pro Stunde oder bei rund 1’620 Franken im Monat. Hiervon müssen jedoch noch Sozialabgaben und Steuern abgezogen werden, die bei diesem Einkommensniveau bei etwa 22 Prozent liegen.
Die Probezeit beträgt in Frankreich je nach Position drei bis vier Monate. Für die Probezeit besteht eine gesetzliche Kündigungsfrist, die sich mit dem Fortschreiten der Probezeit verlängert. Bist Du fest angestellt, muss einer Kündigung durch den Arbeitgeber in jedem Fall ein Kündigungsgespräch vorangehen.
Leben in Frankreich
Die Lebenshaltungskosten in Frankreich sind, im Gegensatz zu den Mietpreisen, geringer als in der Schweiz. Lebensmittel kannst Du in den grossen Supermärkten am Stadtrand günstiger bekommen als in den kleineren Geschäften in der Innenstadt.
Der Wohnungsmarkt in Frankreich ist angespannt, insbesondere in den grossen Städten. Die Mieten sind im europäischen Vergleich relativ hoch und die Qualität der Objekte variiert stark. Daher sollten Suchende es in jedem Fall vermeiden, einen Mietvertrag ohne vorherige Besichtigung zu unterzeichnen. Wenn Dein Hauptwohnsitz in Frankreich liegt, gibst Du selbst eine jährliche Einkommenssteuererklärung ab. Die Einkommenssteuer wird nicht vom Arbeitgeber abgezogen. Denke also rechtzeitig daran, Dein Gehalt nicht vollständig aufzubrauchen.
Christina Weber, Gastautor